Tanzen hilft

eine Buchbesprechung

In den 1980ern hat einmal eine Psychologin unter unseren Folkloretänzerinnen (und -tänzern) mittels eines Fragebogens abgefragt, wie das Tanzen auf die Probandinnen wirkt. Meinem Eindruck nach war das Ergebnis: Es tut uns gut. Nun, das wussten wir vorher schon. 

Was aber passiert genau in uns und mit uns beim Tanzen? Was „macht es mit uns“? Die Neurowissenschaftler Julia F. Christensen und Dong-Seon Chang beschreiben in ihrem Buch „Tanzen ist die beste Medizin. Warum es uns gesünder, klüger und glücklicher macht“ (2025) (1) die Auswirkungen des Tanzens auf die Tänzerinnen (und Tänzer …) in allen nur denkbaren Bereichen der Motorik, der Psyche, des endokrinen Systems, der Intelligenz, der sozialen Beziehungen usw. Der ziemlich boulevardeske Titel mag vielleicht verkaufsfördernd wirken, bleibt jedoch weit unter dem soliden wissenschaftlichen Niveau des Buches; 29 Seiten Literaturverweise sagen in dieser Hinsicht genug aus. Daran ändert auch der populäre Sprachstil des Buches nichts, der es einem breiten Publikum leicht macht, sich auf die zahlreichen Themen unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen einzulassen. Es ist u.E. ein seltener Glücksfall, dass die beiden Autoren nicht nur Neurowissenschaftler sondern gleichzeitig auch leidenschaftliche Tänzer sind. Und schreiben können sie auch. 

Ihr Buch behandelt 

• den Ursprung des Tanzes in der Menschheitsgeschichte, (2)

• seine Rolle bei der Entwicklung kognitiver Fähigkeiten,

• Tanz als Kommunikation,

• seine Auswirkung auf Gruppen,

• seine Wirkungen auf den Körper (auch im Vergleich zum Sport), 

• seine psychischen Wirkungen, auch heilend, 

• Tanz und Lebensalter, 

• und abschließend: Tanzstile und -formen. 

Auf einen Nenner gebracht belegen die zahllosen zitierten Studien, dass das Tanzen besser als alle Alternativen (wie z.B. Sport) hilft, unsere geistige und körperliche Fitness und Gesundheit, unser seelisches und physisches Wohlbefinden zu fördern und zu steigern. Angesichts der herausragenden Bedeutung des Tanzens kann uns der folgende Befund nur wundern: 

„Laut einer Umfrage in Deutschland interessieren sich nur 10 Prozent der Bevölkerung fürs Tanzen! Damit rangiert Tanzen lediglich auf Platz 6 der beliebtesten Sportarten. 39 Millionen Deutsche tanzen nie!“ (S. 261) 

Wer für seine Begeisterung für das Tanzen noch Argumente sucht, dem – oder der – ist das Buch „Tanzen ist die beste Medizin“ dringend zu empfehlen. Aber auch restlos überzeugte Tänzerinnen und Tänzer finden hier mit Sicherheit eine ganze Reihe von zusätzlichen Bestätigungen. 

Und: Nein, wir erhalten keine Provision vom Rowohlt Verlag. 


(1) ISBN 978-3-499-01823-7

(2) Siehe auch hier: Homo saltans